Samstag, 3. Juli 2010

Ein Tabuthema

.. ist in unserer Gesellschaft das Thema: Tod
Wenn es sich dabei um ein geliebtes Tier handelt um das man trauert, wird man milde von der Seite belächelt. Wenn man dann noch äußert, dass man dieses Tier einäschern lassen möchte - also quasi eine Beisetzung für ein Tier plant - signalisieren die Blicke "Du hast ja nicht alle Tassen im Schrank."

Ich möchte mit diesem Beitrag Mut machen. Du darfst um dein Tier trauern und du darfst dich von ihm verabschieden, so wie DU es für richtig hälst.

Meine liebe Bientje hat mich 15 Jahre lang begleitet, war in guten und vorallem in schlechten Tagen an meiner Seite. Am Anfang ihres kleinen Katzenlebens, gab es viele schlechte Tage in meinem Leben. Mein Vater war Alkoholiker, was nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist. Ich war jahrelang in psychosomatischer Therapie.
Klar sie war auch eine kleine Terrorzicke, das will ich nicht verschweigen. Das bekam am meinsten meine 2. Katze Gipsy zu spüren und wenn sie gekonnt hätte, wie sie gewollt hätte, dann hätte auch ich nach ihrer Nase tanzen sollen/müssen.
Vor 2 Jahren haben wir von ihrer Krankheit erfahren, damals gab die Tierärztin Bientje 2 maximal 3 Monate. Wir wussten wir sitzen auf einem Pulverfass, zumal die Terrorzicke ja auch keine Medikamente nehmen wollte, nur ihr homöopathisches Mittel liebte sie. Ich habe schon vor gut 1 1/2 Monaten das Gefühl gehabt, das Bientje sich nach und nach von mir verabschieden wollte. Das es dann aber so schnell ging ..................
Ich hatte mir vor 2 Jahre geschworen "Ich lasse los sobald Bientje mir ein Zeichen gibt oder der Tierarzt sagt sie hätte Schmerzen." Nun Bientje gab mir das Zeichen und ich habe mein Versprechen eingelöst.

Mein Tierarzt war sehr einfühlsam, hat mir mit viel Mitgefühl erklärt was ich jetzt tun könnte:
Tierentsorgung - Vergraben - Einäscherung.
Ich dürfte mir für die Entscheidung gerne auch Zeit lassen, er würde meine Katze solange bei sich aufbewahren.
Für mich kam niemals in Frage, meine Katze einfach der Tierentsorgung zu übergeben. Vergraben ging aber auch nicht, weil wir zu kleine Blumenbeete haben. Wir können nicht 50cm tief graben, also blieb nur noch die Einäscherung.
Einen Flyer von einem Tierfriedhof konnte ich gleich mitnehmen. Abends habe mich via Google weiter informiert und ein Tierkrematorium in Wesel ausfindig gemacht.
Am nächsten Tag gleich wegen eines Termines angerufen. Leider gab es keinen Termin mehr für den Freitagnachmittag, nur für Donnerstag. Nun gut, das ging jetzt zwar ziemlich schnell, aber ich wollte auch nicht noch 1 Woche warten.
Ich habe dann Bientje am Mittag vom Tierarzt abgeholt und mit nach Hause genommen. Sie sah aus als wenn sie schlafen würde. Natürlich flossen Sturzbäche von Tränen bei mir und meinem Mann.

Was aber das allerschönste war, unsere 2. Katze hat sich auch verabschiedet. Auf eine so schöne Weise, das mir richtig das Herz aufging und dabei wurde sie doch ständig verprügelt.

Im Krematorium sind wir so warmherzig empfangen worden, so getragen und begleitet worden. Wir haben so unendlich loslassen können und uns anschließend so befreit gefühlt.

Neben dem Krematorium liegt das Tierheim Wesel und ich hätte es nie für möglich gehalten, aber als wir aus dem Krematorium kamen, waren unsere Herzen so losgelöst ..... hätte Gipsy nicht zu Hause auf uns gewartet .... wir hätte glatt nach einem neuem Seelchen geschaut.
Und DAS war für uns das Zeichen: Wir haben alles richtig gemacht.

Jetzt schauen wir, wie es Gipsy so alleine in unserem großen Haus geht. Sollte sie sich alleine nicht wohlfühlen, erst dann suchen wir eine neue Partnerin oder einen neuen Partner für sie. Falls nicht wird sie zur Number One.

Ich hoffe ich konnte jedem ein klein wenig Mut geben, sich die Zeit zu nehmen und sich von seinem Tier zu verabschieden.